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Sächsische Zeitung, 22. Januar 2008

Neustädter Alaunstraße wird jetzt von Kameras überwacht

Die Polizei installierte gestern zwei Videoanlagen nahe der Scheune. Viele Anwohner sehen ihre Privatsphäre gefährdet.

Von Robert Reuther

Als Roman gestern das Schloss seines Fahrrades auf der Alaunstraße aufschließt, scheint irgendetwas anders zu sein als sonst. Vor ihm steht ein weißer LKW. Auf dessen Ladefläche ist ein roter Drehkran montiert.

Romans Blick, der seinen Nachnamen nicht sagen will, geht nach oben, während seine Hände immer noch mechanisch an dem Fahrradschloss herumhantieren. Was er in etwa acht Meter Höhe sieht, ringt ihm erst ein ungläubiges, dann ein erstauntes Lächeln ab. Später schüttelt er nur noch mit dem Kopf. Über ihm vollführt ein länglicher, weißer Kasten Kunststücke: Er dreht sich um sich selbst, vertikal, horizontal. Es ist die erste Überwachungskamera, die die Polizei gestern installierte und die ihren ersten Probelauf absolvierte. Roman steigt auf sein Rad. Er blickt ein letztes Mal auf die surrende Kamera, murmelt „Das ist doch abartig“ und fährt davon.

Gerade da biegt Izabela Furczyk aus der Böhmischen Straße auf die Alaunstraße ein. Sie findet die Kameras fehl am Platze. „Wenn man im Sommer vor der Scheune auf der Mauer sitzt und ständig beobachtet wird, dann ist das ein komisches Gefühl. Schließlich dringt jemand in den Privatbereich ein, und das gefällt mir gar nicht.“

Schräg unter den neuen Kameras befindet sich ein Bäcker. In dem isst Bernd Bach gerade ein Stück Kuchen. Ihn freut die neue Überwachungsanlage. Schließlich müsse die Polizei jede erdenkliche Unterstützung erhalten, um Straftaten aufzuklären. „Wenn die Jugendlichen ihr Verhalten ändern würden, dann bräuchten wir keine Kameras. Aber in der Neustadt ist einfach schon zu viel passiert.“

Dass es schon einige Ausschreitungen gegeben hat, das weiß auch Magnus Hecht aus der Scheune. „Allerdings nicht im letzten Jahr.“ Seiner Meinung nach schieße Innenminister Albrecht Buttolo mit Kanonen auf Spatzen. „Die Alaunstraße war schon vor über 100 Jahren Treffpunkt für Jugendliche. Ich denke, dass hier ein Generationenkonflikt ausgetragen wird. Ältere wollen mehr Sicherheit. Da kommt die Überwachung gerade recht.“

Unweit der Scheune befindet sich der Babos Döner Point. Dort arbeitet Sahin Ibo. Er steht den Kameras mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Auf der Straße gibt es ab und zu Stress, und wir rufen die Polizei. Leider kommt die oft zu spät und alles ist vorbei. Mit den Kameras kann sie schneller reagieren. Ob das wirklich etwas ändert, wird sich zeigen. Ich glaube es nicht.“

 
aktualisiert am 08.02.2012