Newsletter der Hessischen Landesregierung, 19. Januar 2007
Bald weitere Seitenstreifen befahrbar
Weniger Staus im Berufsverkehr
Auf vier weiteren Abschnitten der Autobahnen A 3 und A 5 soll der Seitenstreifen künftig während des Berufsverkehrs befahrbar sein. Im Rhein-Main-Gebiet sind bereits jetzt Strecken von insgesamt 52 Kilometern Länge zeitweilig freigegeben, künftig sollen es 72 Kilometer sein, wie Verkehrsminister Alois Rhiel ankündigte.
„Im Rhein-Main-Gebiet gibt es weniger Staus auf den Autobahnen, weil während des Berufsverkehrs die Seitenstreifen befahren werden dürfen“, sagte Rhiel. „Aufgrund des Erfolgs dieses Projekt werden in den kommenden Monaten die Seitenstreifen von Autobahnabschnitten mit einer Länge von knapp 20 km zusätzlich temporär freigegeben.“ Die Seitenstreifenfreigabe sei ein täglich spürbares Erfolgsprojekt im Rahmen der Initiative „Staufreies Hessen 2015“. Ziel sei es, mit innovativen Verkehrstechnologien den vorhandenen Verkehrsraum besser zu nutzen und so Staus zu vermeiden.
Rhiel zog gemeinsam mit Gerd Riegelhuth, dem Leiter der Verkehrszentrale Hessen (VZH), eine positive Zwischenbilanz zur Seitenstreifenfreigabe in Hessen. Mit Blick auf umfassende Untersuchungen der VZH verwies Rhiel darauf, dass der Verkehrsablauf spürbar verbessert werden konnte und Staus erheblich reduziert wurden. Die Kapazität der regulär dreistreifigen Streckenabschnitte werde durch den freigegebenen Seitenstreifen um etwa 20 Prozent gesteigert. Damit seien Verkehrsstärken von über 7 000 Fahrzeugen pro Stunde möglich, ohne dass es zu Verkehrszusammenbrücken und langen Staus im abendlichen Berufsverkehr kommt.
Auswertungen für den Streckenabschnitt der A 4 zwischen dem Frankfurter Nordwestkreuz und der Anschlussstelle Friedberg ergaben, dass durch die temporäre Seitenstreifennutzung pro Werktag staubedingte Zeitverluste in Höhe von ca. 3200 Kraftfahrzeug-Stunden eingespart werden. Dies bedeutet einen direkten volkswirtschaftlichen Nutzen durch vermiedene Zeitverluste von etwa 50 000 Euro pro Tag und über 10 Millionen Euro pro Jahr. Noch hinzuzurechnen sei der Nutzen, der zusätzlich durch die Verringerung der Umweltbelastungen durch Schadstoff- und Lärmemissionen infolge des flüssigeren Verkehrsablaufs entsteht, so Rhiel.
Hinsichtlich der Verkehrssicherheit konnten keine negativen Veränderungen festgestellt werden, erklärte Riegelhuth. Belastbare Unfalldaten liegen für die A 3 zwischen den Anschlussstellen Offenbach und Obertshausen vor. Die Untersuchungen zeigen, dass hier weder die Anzahl der Unfälle insgesamt noch die Anzahl der Unfälle mit schwerem Personenschaden zugenommen haben. „Positiv auf die Sicherheit wirkt sicherlich, dass mit der Verringerung der Staus auch staubedingte Unfälle reduziert werden“, so Riegelhuth.
Grundsätzlich zeige das bisher in Hessen beobachtete Unfallgeschehen im Bereich von Streckenabschnitten mit temporärer Seitenstreifenfreigabe das gleiche Bild wie es bereits in den Untersuchungen im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenverkehr festgestellt wurde. Gegenüber der temporären Seitenstreifenfreigabe gebe es aus Sicherheitsgründen keine in der Praxis bestätigten Einwände.
Hintergrund: Steuerung durch die Verkehrsleitzentrale Hessen
Die Steuerung der temporären Seitenstreifenfreigabe erfolgt durch die Verkehrszentrale Hessen verkehrsabhängig. Sobald eine bestimmte Verkehrsstärke – 6 000 Fahrzeuge pro Stunde – überschritten wird, schlägt der Verkehrsrechner der Streckenbeeinflussungsanlage die Freigabe des Seitenstreifens vor. Dann wird zunächst mit Hilfe von Videokameras, die entlang der Strecken aufgestellt sind, überprüft, ob der Seitenstreifen frei von Pannenfahrzeugen, Gegenständen oder anderen Hindernissen ist. Insgesamt stehen dazu 80 Videokameras zur Verfügung.
Hat sich der VZH-Mitarbeiter davon überzeugt, dass der Seitenstreifen hindernisfrei ist, wird er abschnittsweise entgegen der Fahrtrichtung den Seitenstreifen freigeben. Auch während der Freigabe erfolgt eine regelmäßige Videobeobachtung des Seitenstreifens durch die VZH. Erkennt der Operator während der Freigabe ein Pannenfahrzeug, wird die Freigabe wieder aufgehoben.
Außerhalb der Spitzenzeiten bleibt der Seitenstreifen für den fließenden Verkehr gesperrt. Entsprechend seiner eigentlichen Funktion bietet er dann zusätzliche Fläche bei Unfällen, Pannen und bei Unterhaltungsarbeiten.
Auf diesen Streckenabschnitten sind Anlagen zur temporären Seitenstreifenfreigabe in Betrieb:
A3 Offenbacher Kreuz – AS Obertshausen
A3 Mönchhofdreieck – AS Kelsterbach
A5 Friedberg – Bad Homburger Kreuz (in Fahrtrichtung Würzburg)
A5 Bad Homburger Kreuz – Nordwestkreuz
Auf diesen Streckenabschnitten sollen die Anlagen zukünftig in Betrieb genommen werden:
A3 AS Kelsterbach – Mönchhofdreieck, Inbetriebnahme Anfang 2007
A3 AS Obertshausen – AS Hanau, Inbetriebnahme 2007
A5 AS Eberstadt – Darmstädter Kreuz, Inbetriebnahme 2007 geplant
A5 Frankfurter Kreuz – AS Niederrad (in Fahrtrichtung Kassel), Inbetriebnahme 2007 geplant






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