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Hamburger Morgenpost, 31. März 2006

Werde ich jetzt auch im Bordell gefilmt?

Zehn Kiez-Kameras eingeschaltet: MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen zur Überwachung

Von Wiebke Strehlow

Überwachung total! Ab sofort kann auf dem Kiez quasi niemand mehr ungesehen in einen Puff huschen. Denn seit gestern sind zehn Kameras auf der Reeperbahn scharf geschaltet. Zwei weitere werden bis Mai folgen. Auf Grund von Bauarbeiten am Spielbudenplatz können sie noch nicht aktiviert werden. Innensenator Udo Nagel (parteilos) und Polizeipräsident Werner Jantosch stellten das 620 000 Euro teure Projekt gestern vor. Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie läuft die Kiez-Überwachung? „Vom Millerntorplatz bis zum Pepermölenbek sind zwölf Kameras an Masten angebracht. Sie sind schwenkbar und haben eine Zoom-Funktion. Die Bilder werden direkt zur Polizeieinsatzzentrale gesendet und dort auf zwölf Einzelmonitore übertragen. Rund um die Uhr beobachtet ein Beamter die Bildschirme. Auch die Polizisten der Davidwache bekommen die Bilder auf einem Fernseher im Kommissariat zu sehen. Wenn etwas passiert, schicken wir die Kollegen sofort los“, erklärt der Polizeipräsident.

Werden Bordellbesucher jetzt beim Betreten der Etablissements gefilmt? „Es gibt so genannte Privatzonen. Diese sind bereits beim Programmieren der Kamera eingerichtet worden. Wohnungsfenster und Ähnliches werden auf den Bildschirmen automatisch schwarz gezeichnet. Hauseingänge allerdings gehören nicht dazu“, so Jantosch.

Es gibt Kritiker, die die Freiheitsrechte der Hamburger gefährdet sehen. Wie geht Hamburg mit dieser Frage um? „Es geht um die Reduzierung der Gewalttagen, nicht darum, dass Menschen in alltäglichen Situationen überwacht werden. Das interessiert die Polizei gar nicht. Die meisten Hamburger und Anwohner auf St. Pauli befürworten die Überwachung. Zudem wird durch Schilder auf die Kameras hingewiesen“, sagt Udo Nagel.

Wie lange werden die Bilder gespeichert? „Die Bilder werden vier Wochen lang aufgezeichnet und dann gelöscht. Sie können bei Straftaten als Beweismittel vor Gericht verwendet werden“, so Jantosch.

Wie effektiv sind die Kameras? Gibt es Statistiken aus anderen Städten, die bereits seit längerem Videoüberwachung haben? „Ja. Zum Beispiel in Mannheim sind die Straftaten in den Bereichen um ein Fünftel gesunken“, erklärt Udo Nagel.

Liegt das daran, dass sich die Schwerpunkte einfach in andere Stadtteile verlagert haben? „Nein, eine Verdrängung ist nicht eingetreten. Es ist sogar so, dass die Gewalttagen auch dort zurückgegangen sind, wo nicht überwacht wurde“, sagt der Innensenator.

Was wird als Nächstes geplant? „Die Bundesratsinitiative zur Änderung des Waffenrechts läuft. Danach soll es verboten sein, auf der Reeperbahn Waffen zu tragen. Zudem wird derzeit ein Gerät getestet, das Kennzeichen lesen kann. Auch die Einführung der Videoüberwachung auf dem Hansaplatz in St. Georg und dem Vorplatz des Bergedorfer Bahnhofs sind geplant“, sagt der Innensenator. Wann die Kameras an den anderen Standorten angebracht werden, ist noch nicht klar. Fest steht: Es wird eine Videoüberwachung geben.

 
aktualisiert am 08.02.2012