Rundschau Regensburg, 27. April 2005
Argusaugen aus Sinzing
Bei Fußball-WM überwachen Kameras der Firma TVI Lederer die Stadien
Von Mechtild Angerer
Ein großes Fest soll sie werden, die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Für die Polizei wird sie aber vor allem eines: Ein Sicherheitsrisiko. Nun rüsten sich die Stadien – mit Know-how aus Sinzing.
Sinzing. Wenn in den Stadien die Stimmung steigt, steigt bei den Sicherheitskräften der Adrenalinpegel: Schnell kann die Stimmung umschlagen, und aus einer kleinen Schlägerei entwickelt sich eine Katastrophe. Deshalb setzt die Polizei auf Prävention, unter anderem mit Hilfe von Überwachungskameras.
Für Aufgaben wie diese ist die Firma TVI Lederer in Sinzing gerüstet: Der 1978 gegründete Betrieb ist auf Kamerasicherheitssysteme in den verschiedensten Bereichen spezialisiert. „Im Sicherheitsbereich in WM-Fußballstadien sind die Anforderungen besonders hoch“, sagt Rainer Hölzgen von TVI Lederer. „Die Polizei fordert Bilder, die zur Fahndung und vor Gericht verwertbar sind.“ Das heißt: Wenn in der Kurve gegenüber ein Krawall entsteht, brauchen die Sicherheitskräfte Bilder, die aus 120 Metern Entfernung die Übeltäter zweifelsfrei identifizieren lassen – entweder, um sofort einzuschreiten, oder im Härtefall als Beweis vor Gericht.
Gegen Kälte und Spinnen gerüstet
Das Sinzinger System, das das leisten kann, heißt „Argovision“ und arbeitet mit modernen Studiokameras und –objektiven, wie sie auch im Fernsehen verwendet werden. Dabei ist nicht nur die Qualität der Bilder, sondern auch die komplette Erfassung der zu überwachenden Areale wichtig. „Früher hat man hauptsächlich mit statischen Kameras gearbeitet“, erklärt Sales Manager Günther Reisinger. „Heute verwendet man eine Kombination aus statischen und beweglichen Kameras und kommt mit einer wesentlich geringeren Anzahl aus.“ Die dynamischen Kameras, die durch eine komplexe Software vernetzt und am Bildschirm per Joystick lenkbar sind, sind durchdacht bis ins Detail: 360 Grad drehbar, sowohl in der Horizontalen als auch in der Vertikalen, verfügen sie über eigene Scheinwerfer (wenn nötig auch Infrarot), Scheibenwischer und sogar Spinnwebenentferner – selbst für Minusgrade bis 30 Grad sind sie durch eine zuschaltbare Heizung gerüstet.
Gefahr früh erkennen
Zwölf dieser Kameras wurden kürzlich im Inneren der neuen Allianz-Arena in München installiert, das Sicherheitssystem im Nürnberger Frankenstadion ist gerade dran: Für ein Auftragsvolumen von 300 000 Euro wird das Stadion eines der derzeit „modernstüberwachten“, wie Reisinger sagt. „Die Nürnberger setzen eher auf Qualität als auf Quantität, wir kommen hier insgesamt mit 18 Kameras aus.“
Natürlich hört das System nicht am Stadiontor auf: Überwacht werden müssen auch die äußeren Areale, um Zuschauerströme entzerrend zu lenken und Störungen frühzeitig zu erkennen. Des Weiteren werden die Zubringer und ihre Verkehrsströme beobachtet – und irgendwo greift das System, zum Beispiel in München, in die Verkehrsüberwachung: Die kommt dort übrigens ebenfalls aus Sinzing.
Im Geschäft der Stadionüberwachung ist TVI Lederer einer der ganz Großen: Schon in rund 20 deutschen und etlichen ausländischen Stadien ist die Firma aus Sinzing erfolgreich vertreten. Sieht ganz so aus, als hätten Krawallbrüder nun auch bei der WM wenig Chancen – eine gute Nachricht für die echten Fußballfans.






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