Funkwerk plettac electronic GmbH

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Die Welt, 21. November 2005

Die Nischenfunker

Die Funkwerk AG entwickelt leistungsfähige Kommunikationstechnologie

Von Sven Heitkamp

Kölleda. Wirtschaftlicher Erfolg wächst nicht zwingend an den ökonomischen Drehkreuzen der Republik. Der Beweis für die Chancen der Provinz findet sich in Kölleda, ein 6000-Seelen-Ort im thüringischen Niemandsland zwischen Harz und Erfurt, wo die A 71 endet, riesige Felder die Landstraße säumen und die Arbeitslosenquote stabil um traurige 20 Prozent liegt.

Im Gewerbegebiet Kiebitzhöhe steht ein unscheinbares, weißes Gebäudeensemble mit roten Fenstern und unaufdringlichen Schildern vor dem Eingang: "funkwerk aktiengesellschaft". Es ist der Sitz eines früheren DDR-Kombinats, das sich mit digitaler Kommunikationstechnik zum erfolgreichen TecDax-Unternehmen entwickelt hat. Jahresumsatz: fast 250 Mio. Euro; Zahl der Mitarbeiter: mehr als 1200, davon 300 in der Forschung.

Finanzvorstand Norbert Gunkler ist seit zwei Jahren im Unternehmen. Als sich der Betriebswirt im Sommer 2003 auf eine anonyme Stellenanzeige mit Chiffre bewarb, mußte er bei der Begrüßungsfrage am Telefon passen: Kennen Sie die Funkwerk AG? Kannte er nicht. Doch das hat sich gründlich geändert.

Die Funkwerker setzen vor allem auf zukunftsträchtige Nischenprodukte - und reisen mit der Bahn in die Zukunft. So haben die Thüringer digitale Sprech- und Datenfunkgeräte der GSM-Railway-Technologie entwickelt und mittlerweile mehr als 10 000 Geräte für sämtliche Loks der Deutschen Bahn geliefert. Ein lohnendes Ticket. Die Bahn ist europaweit Vorreiter bei der Einführung des Digitalfunks. Inzwischen werden auch die Staatsbahnen in Frankreich, Belgien, der Schweiz und in Norwegen versorgt. "Funkwerk", sagt Vorstand Gunkler, "ist mit einem Anteil von 75 Prozent inzwischen europaweit Marktführer in diesem Geschäft."

Der Konzern dürfte auch die bundesweit sieben Bahn-Betriebszentralen ausrüsten, führt die fahrerlose U-Bahn in Nürnberg mit ein und installiert Informationstechnologien für Kunden und Zugführer der Nahverkehre in Hamburg und Berlin, in Brüssel und Budapest. Von der Anzeigetafel bis zur Videoüberwachung. Im August ergatterten sie den Auftrag, die Turiner U-Bahn für die Winterolympia mit digitaler Videotechnik der Tochterfirma Plettac auszustatten. "Der Imagegewinn ist enorm.", sagt Gunkler.

Funkwerk stellt seine Entwicklung auf mehrere Beine. So hat sich das Unternehmen neben der Bahn-Funktechnik auch auf funkgestützte Sicherheits- und Überwachungstechnik spezialisiert, die beispielsweise auf Werksgeländen zum Einsatz kommt. Weitere Sparten sind Auto-Freisprechanlagen für die Fahrzeugflotten von Mercedes, BMW und Audi sowie drahtlose Netzwerklösungen für Firmen und Filialbetriebe.

Doch nach dem enormen Wachstum - von 37 Mio. Euro Umsatz im Jahr des Börsengangs 2000 auf 249 Mio. 2004 - plagt die Funkwerker dieses Jahr eine "Wachstumsdelle", wie Gunkler sagt. Erwartet werden 243 Mio. Euro Umsatz und 18 Mio. Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern. Es gilt aber immer noch das ehrgeizige Ziel des Vorstandsvorsitzenden Hans Grundner, der 2008 die 400 Mio. Euro erlösen will.

Der Bayer Grundner hatte 1992 aus der Masse der Treuhand die Hörmann Funkwerk Kölleda GmbH gegründet und 1997 das Funkwerk Dabendorf dazu gekauft - zusammen bildeten sie die Keimzelle der späteren AG. Das Unternehmen wuchs, kaufte Töchter in Salzgitter, Dresden, Nürnberg und Fürth hinzu und wurde im September 2004 im TecDax notiert. "Wir werden trotzdem die Bodenhaftung behalten", sagt Gunkler, "und uns nicht von der Versuchung locken lassen, in Massenmärkte einzusteigen."

21nov05
Mitarbeiter der Funkwerk AG im brandenburgischen Dabendorf. Foto: ZB

 

 
aktualisiert am 18.05.2012