TZ München, 19./20. Mai 2004
Jeder Taschendieb kommt vor die Linse
Video-Überwachungsanlagen am Bahnhofsvorplatz und am Stachus-Rondell in Betrieb
Jam. München
Sie schießen gestochen scharfe Bilder von jedem Taschendieb: Seit gestern überwachen drei weitere Videokameras sogenannte „Angsträume“ in der Münchner Innenstadt (tz berichtete vorab): Den Bahnhofsvorplatz und das Stachus-Rondell. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche nehmen die mobilen Kameras dort jede verdächtige Person ins Visier und machen Verbrechern das Leben schwer.
Gestern startete Bayerns Innenminister Günther Beckstein die Überwachungsanlage. Sie überträgt Bilder vom Bahnhof und vom Stachus direkt ins Münchner Polizeipräsidium. Beide Plätze gelten als Kriminalitätsschwerpunkte. Im vergangenen Jahr stiegen dort Straftaten wie Raub, Körperverletzungen und Drogendelikte deutlich an. Innerhalb von zwei bis vier Minuten kann die Polizei jetzt vor Ort sein und für Recht und Ordnung sorgen.
Innenminister Beckstein bezeichnete die Video-Anlage „als wichtigen Baustein der bayerischen Sicherheitspolitik.“ Potenzielle Straftäter würden durch das erhöhte Entdeckungsrisiko abgeschreckt. „Wir haben durch die Überwachung die Möglichkeit, Tatverdächtige schnell zu identifizieren und Tatabläufe lückenlos zu rekonstruieren.“
Zunächst für ein Jahr soll die rund 280 000 Euro teure Anlage getestet werden. Münchens Polizei-Vizepräsident Jens Viering: „Dann wird Bilanz gezogen, wie sich die Anzahl der Straftaten verändert hat.“ Wenn die Bilanz positiv ausfällt, kann die Anlage möglicherweise wieder abgebaut und an anderen Plätzen installiert werden.
Die drei neuen Polizeikameras sind nicht die einzigen in München: Rund 1000 Videokameras sind ind er Landeshauptstadt in Betrieb. Sie überwachen den Verkehr, öffentliche Grünanlagen, werden zur Gebäudesicherung und zur Überwachung von U- und S-Bahnhöfen eingesetzt. Allein im Hauptbahnhof sind 70 Video-Augen installiert.
Mit der neuen Video-Anlage am Bahnhof und am Stachus ist auch der bayerische Datenschutzbeauftragte Reinhard Vetter einverstanden. Der Datenschützer warnte jedoch davor, die Video-Überwachung „als Allheilmittel zu betrachten und sie flächendeckend einzusetzen“.






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