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Kurier, Juni 2004

Sicherheit: Der große Bruder auf dem Rapidplatz

Österreichs Fußballstadien sollen sicherer und damit familienfreundlicher werden. Ausschreitungen und Krawalle lassen den ÖFB – schon im Hinblick auf die EM 2008 – auf Hightech und den Faktor Mensch setzen: Der „Große Bruder“ und eine neue Form der Fan-Betreuung sollen Rowdytum hintanhalten.

Den Anfang bei der Sicherheitsoffensive macht Rapid. Im Heim-Stadion in Hütteldorf wurde um rund 150.000 Euro eine Videoanlage installiert, die alle Stückerln spielt. Sie behält Eingänge und Zuschauer, vor allem die Westtribüne, im Auge. „Darüber hinaus besteht die Option, eine Bilderkennungssoftware einzubinden, um unerwünschte ‚Gäste’ zu identifizieren“, erklärte Ex-Polizeigeneral Franz Schnabl vom Rapid-Präsidium dem KURIER.

Gegenüber dem Fachmagazin „CD-Sicherheits-Management“ hat Heinz Fahnler, Sicherheitsmann der Bundesliga, einen weiteren Schritt erklärt, wie man zu Gewalt bereite Fans in den Griff zu kriegen hofft. Das Zauberwort heißt „Fan-Steward-System“ und ist Konzepten in England, Schottland, Wales und Irland abgeschaut: Vereine holen vernünftige Anhänger aus den Fanklubs, die mit Köpfchen und nicht mit Muskeln Einfluss auf labile Mitstreiter nehmen.

Bisher haben sich weder Polizei-Fanbetreuer noch private Ordner an der Schlachtenbummler-Front wirklich profilieren können: Die einen, weil sie als Beamte eingeschränkten Spielraum haben, die anderen, weil sie das Gewaltpotenzial mitunter aufschaukeln, statt es zu reduzieren, heißt es. Rapid will in seinen rund 250 Fanklubs vorerst 20 Steward-Anwärter finden.

Die sollen dann vor allem psychologisch ausgebildet werden. Die Kosten dafür übernimmt der Senat 3 der Bundesliga. Das Geld kommt aus dem Sicherheitstopf, in den Vereine Strafgelder nach Ausschreitungen von Fans einzahlen. Den Steward-Einsatz selbst sollen die Vereine bezahlen. Fahnler zu „CD“: „Durch das Konzept sollte es zu weniger Vorfällen kommen, die Strafen nach sich ziehen. Die Mehrkosten würden sich damit amortisieren.“

Im Endausbau sollen alle heimischen Vereine über jeweils etwa 40 Stewards verfügen. Das wäre auch eine gute Basis, um der EM 2008 entgegenzugehen.

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aktualisiert am 08.02.2012