Mittelbayerische Zeitung, 3. August 2004
Sinzinger Kameras machen Autobahnen sicher
TVI Lederer baut hochmoderne Schwenk-Neige-Kameras zur Überwachung / Info-Besuch von Maria Eichhorn
Von Jens Henning, MZ
SINZING. Wenn Autofahrer zur Stauvermeidung auf den Autobahnen vor München die Standspur als Fahrstreifen benutzen können, dann haben sie das unter anderem der Firma TVI Lederer GmbH & Co. KG aus Sinzing zu verdanken.
Das Unternehmen liefert die komplette Lösung von der Schwenk-Neige-Kamera bis zur Ausstattung der Verkehrsleit-Zentralen mit modernster Videotechnik und ist auf diesem Gebiet Marktführer.
Vor den Toren Regensburgs entstehen seit einigen Jahren Sicherheits- und Verkehrstechnik vom Feinsten. Diese Tatsache nahm Bundestagsabgeordnete Maria Eichhorn kürzlich zum Anlass, dem Unternehmen einen Besuch abzustatten. Nach der einstündigen Besichtigung war sie begeistert: „Das ist ja hochinteressant“, sagte Eichhorn. Die Kameras des Sinzinger Unternehmens können ferngesteuert gelenkt, geneigt, gezoomt und fokussiert werden und verschaffen Verantwortlichen bei Polizei und Autobahn-Meistereien den notwendigen Überblick auf das weitläufige Straßennetz.
Karlheinz Lederer hat sein Unternehmen 1978 als „Ingenieurbüro Lederer“ gegründet und befasste sich hauptsächlich mit Nachrichtentechnik. Zehn Jahre später kam dem Firmengründer die eigentlich simple und doch geniale Idee: Ihn störte, dass starr montierte Überwachungskameras immer nur ein kleines Blickfeld abdeckten. Daraus entwickelte Karlheinz Lederer seine Vision: „Überwachungskameras sollen das menschliche Beobachtungsverhalten nachbilden können.“ Was er damit meint, wird im Gespräch deutlich: „Kameras müssen schnell beweglich sein, sie müssen schnell herumschauen können, es darf keine toten Winkel geben!“ Außerdem sollten die Steuermanüver möglichst einfach sein. Angetrieben von dieser Idee, hat er seine Vision in die Tat umgesetzt. Ende der neunziger Jahre gab es die ersten serienreifen Geräte aus eigener Produktion.
Die rund 60 Mitarbeiter sind neben dem Stammhaus in Sinzing bundesweit eingesetzt. Auslands-Niederlassungen befinden sich in Österreich, Ungarn und Nordafrika. Die Ziele für die nähere Zukunft: Marktführerschaft ausbauen und internationales Geschäft strukturieren.
Im Gespräch gewinnt man den Eindruck, dass dem Inhaber die Rolle des kreativen Kopfes hinter den Kulissen viel besser liegt als die des forschen Geschäftsführers. Er hält sich im Hintergrund, die Präsentation für Maria Eichhorn übernehmen seine leitenden Angestellten. Vielleicht ist der kreative Freiraum, den er sich behalten hat, das Erfolgsgeheimnis seiner Firma. So findet Karlheinz Lederer Zeit, zu tüfteln und neue Visionen zu entwickeln, um sie dann mit seinem Spezialisten-Team umzusetzen.
Zwei augenfällige Details der kreativen Sinzinger zum Nutzen der Kunden sind der weltweit einmalige „Scheibenwischer und Spinnenfänger“ für die Kameras. Verschmutzte Schutzscheiben vor den Objektiven gehören damit der Vergangenheit an. So hat der Operator im Überwachungsraum nie mehr verschwommene Bilder auf dem Bildschirm. Und Spinnen, die sich öfter als man denkt vor dem Objektiv platzieren, werden mit einem kleinen umlaufenden Kunststoffgreifarm vertrieben. Man muss nur noch aufs Knöpfchen drücken. Bei solchen Extras und dem kundenorientierten Service nimmt die Referenzliste wenig Wunder: Verkehrsüberwachung München und Wien sowie viele Autobahnabschnitte und Tunnel, fast alle Fußballstadien der ersten Bundesliga und eine Vielzahl namhafter deutscher Firmen.
Hintergrund: High-Tech für die Stadtautobahn
Eichhorn: Kameras könnten Verkehrsfluss auf der A 93 kontrollieren
Mjh. CSU-Bundestagsabgeordnete Maria Eichhorn interessierte sich bei ihrem Besuch vor allem für den verkehrstechnischen Aspekt. Auf der A 93 soll der Standstreifen mittelfristig ebenfalls als dritter Fahrstreifen zur Verfügung stehen und als „Staukiller“ wirken.
„Die Gedanken gehen eindeutig in diese Richtung, im Moment wird untersucht, ob der Standstreifen für diese Art der Nutzung baulich geeignet ist“, sagte sie. Voraussetzung dafür sein, dass die Ausfahrten im innerstädtischen Bereich dann entsprechend ausgebaut werden müssten, teilweise könne es Ampelregelungen an Auffahrten geben.
Verkehrsexperten sehen im innerstädtischen Bereich besonders die Tatsache als Vorteil, dass städtischer Verkehr sich nicht mehr auf die zwei regulären Fahrspuren zwängen muss. Dies könnte in Regensburg eine wichtige Rolle spielen, da viele die Autobahn nur eine oder zwei Ausfahrten benutzen.
Auf der A3 ist die Standstreifen-Lösung unwahrscheinlich. Denn hier besteht auf dem Abschnitt bis Rosenhof ein Planungsrecht für den sechsspurigen Ausbau, besagt der Bundesverkehrswegeplan. Das Geld für den eigentlichen Ausbau wird nach derzeitigem Stand aber erst nach 2015 aus der Bundeskasse fließen. Marie Eichhorn sicherte dem Sinzinger Unternehmen ihre Fürsprache in Berlin zu. Im Herbst wird es einen parlamentarischen Abend geben, bei dem sich unter anderem TVI Lederer den Mitgliedern des Verkehrsausschusses präsentiert.






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